Tag 16: Zu Besuch bei Karang

Vor ein paar Tagen haben wir ja vormittags an der Purnama-Zeremonie teilgenommen, was auch echt spannend und im Nachhinein auch lustig war, wenn man bedenkt, was wir uns deswegen für einen Kopf gemacht haben – dabei ist hier alles viel lockerer als bei uns in Deutschland!

Mit Karang, dem jungen Angestellten, der uns dort auch vieles gezeigt und erklärt hat, haben wir uns gut verstanden – und tags darauf hat er uns für heute, Sonntag, seinem freien Tag, zu sich nach Hause eingeladen! Wir haben uns total gefreut und fühlen uns irgendwie „geehrt“ – bei richtigen, ganz echten, normalen balinesischen Einheimischen in ihr Privatestes eingeladen zu werden, als ein trampeliger unwissender (und vermutlich ja auch ungläubiger) Massentourist, das hätten wir niemals erwartet! Genau wie vor der Purnama-Zeremonie waren wir nicht nur erfreut, wir waren auch unglaublich aufgeregt und unsicher: Wenn wir da hinkommen, wie verhält man sich da? Bringt man ein Gastgeschenk mit und wenn ja, was denn? Er hat einen dreijährigen Sohn, sollten wir dem auch was mitbringen? Womit spielt ein dreijähriges balinesisches Dorfkind? (Spoiler: mit uns 😍) Wie lange sollten wir bleiben um noch höflich zu sein? Was können wir überhaupt miteinander reden (auf englisch)? Fragen über Fragen, und ChatGPT kennt nur ein paar der Antworten.

Machen wir´s kurz: genau wie nach der Purnama-Zeremonie war alles lächerlich einfach und ungezwungen und hat richtig Spaß gemacht. Ja, es war schon gut, dass wir als Gastgeschenk noch eine Tüte Salzbrezel und süße Riegel aus Deutschland hatten und für den Kleinen einen billigen Plastik-Lastwagen mit etwas Sandkastenspielzeug besorgt haben, aber für alles andere hatte Karang ohnehin schon die Lösung parat: „Herzlich willkommen bei mir zu Haus, das ist meine Frau Asih und mein Sohn Arya. Fühlt Euch wie zu Hause und macht, was Ihr wollt. Ich werde ein bisschen grillen und wir freuen uns, wenn Ihr mit uns esst. Geht, wann immer Ihr wollt, bleibt, so lange Ihr wollt.“ – und jedes Wort war auch so gemeint. Wir waren gegen 17 Uhr mit dem Roller zu ihm gekommen, es war noch hell und ordentlich warm, und wir waren gebührend beeindruckt von seinem Grundstück und dem Haus darauf. Drinnen gewesen sind wir nicht, das Leben findet üblicherweise draußen statt. Asih breitete auf einer Art Veranda eine Decke aus, auf der wir saßen (Tische und Stühle sind in Indonesien nicht üblich, man sitzt auf dem Boden) und servierte Bali Kopi, ein Kaffee ähnlich dem griechischen Mokka, bei dem das Kaffeepulver noch in der Tasse ist und man warten muss, bis sich der Sud abgesetzt hat.

Es würde zu weit führen, die nächsten drei Stunden zu beschreiben, aber es war alles ganz easy und locker. Klein-Arya war zunächst noch nicht da (mit den Großeltern in einem Fluss baden) und dann erst etwas schüchtern. Das verging ziemlich schnell, als wir ihm den Lastwagen schenkten und er mit großen Augen vor Freude herumtanzte. Während Karang daran ging, frischen Fisch am Stock zu grillen, unterhielten wir uns mit Asih und spielten mit dem süßen kleinen Fratz, der natürlich noch kein Wort Englisch versteht – das braucht man aber auch nicht. Ein Ball und ein Plastikauto am Band zum Hinterherziehen sind vollkommen ausreichend um stundenlang Spaß zu haben!

Irgendwann ist das Essen fertig und wir lehnen die Löffel dankend ab, die nur für uns Bule geholt wurden – wir wollen genau wie die Balinesen ausschließlich direkt mit der rechten Hand essen (das kennen wir schon aus Indien). Außer den gegrillten Makrelen, die Asih für uns filetiert, gibt es eine wasserdünne Suppe mit vielen spinat-artigen weichen Blättern drin, natürlich Reis (den gibt es immer) und, ganz wichtig, eine höllisch scharfe Mischung aus frischen Zwiebeln, frischen Chilis und ein paar anderen Zutaten. Gudrun ist davon sehr angetan, Rob hält sich vornehm zurück. Es schmeckt super und es ist so ungezwungen, wenn man wie beim Picknick einfach auf einer Decke sitzt!

Die ganze Zeit quatschen wir, und besonders Karang erzählt von seinem Bruder in Japan und dass er selbst da auch hin will um mehr Geld verdienen und seiner Familie ein besseres Leben ermöglichen zu können. Dafür lernt er schon seit einigen Monaten japanisch. Im übrigen sind noch ein Vater und eine Mutter beim Essen dabei – wir haben nicht ganz verstanden, wer zu wem gehört und ob es wirklich jeweils ein Elternteil von Asih und von Karang ist. Macht aber auch nicht wirklich was, die beiden verstehen eh kein Wort Englisch 😉 – sind aber sehr freundlich.

Weil es um halb acht Uhr schon dunkel ist und die Straße, sagen wir mal, eine Herausforderung sein kann, fährt Karang vor uns her und bringt uns sicher zu dem Pickup Point, von dem aus wir mit dem Hotel-Shuttle wieder hoch gebracht werden. Das war ein ganz toller Abend!

Karang leitet uns im Dunkeln durch die Straßen
Karang leitet uns im Dunkeln durch die Straßen – Sohn und Hund sind selbstverständlich auch dabei

Karang wohnt im Nachbartal des Hotels:

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